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Schock für Alexander Gerst: Mission Sojus MS-10 in 70 km Höhe gescheitert – Alle Raumfahrer wohlauf – Mögliche Verlängerung für den ISS-Komandanten

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Das russische Raumschiff Sojus MS-10 kurz vor der Havarie. - Foto © Roskosmos

Das russische Raumschiff Sojus MS-10 kurz vor der Havarie. – Foto © Roskosmos

(red + Bernhard Doepfer) – Seit dem 03.10.2018 ist der Deutsche Astronaut Dr. Alexander Gerst Kommandant der Internationalen Weltraumstaion ISS. Derzeit ist nur seine Besatzung, zu der neben ihm noch die US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor und der Kosmonaut Sergei Prokopjew gehören, an Bord. Heute sollte die Verstärkung ankommen mit dem Raumschiff „Sojus MS-10“.

Als die Sojus FG-Trägerrakete gegen 14:40 Uhr russischer Zeit zu ihrem Flug abhob, schien alles so zu sein, wie sonst auch bei Starts vom Weltraumbahnhof Bajkonur. Doch rund zwei Minuten nach dem Abheben und unmittelbar vor der Trennung der fünf Raketenbooster passierte in etwa 70 Kilometer Höhe über der kasachischen Steppe eine Panne bei der Zündung der zweiten Raketenstufe (siehe dieses NASA Video).

Fast zeitgleich meldeten sowohl die Raumfahrer Alexeij Owtschinin und Nick Hague Erschütterungen in ihrer Kapsel als auch das Kontrollzentrum der russischen Raumfahrtagentur Roscosmos ein nicht näher kommentiertes Problem und sofort entschied man sich für eine Notlandung. „Problem mit Triebwerk“ lautete die knappe Nachricht von Owtschinin; kurz zuvor waren sieben heftige Erschütterungen im Cockpit zu sehen. Möglicherweise traten schon beim Brennen der ersten Raketenstufe Anomalien auf, weswegen die zweite Stufe erst gar nicht gezündet wurde. Bereits vor acht Jahren wurde beim Start einer „Sojus“ aufgrund von Berechnungsfehlern mehr Treibstoff verbraucht als vorhanden – die 1. Stufe Stufe brannte zu früh aus.

Zwar ist das „Sojus“-Raumschiff so konzipiert, dass ihre Crew auch in problematischen Situationen nach dem Start sicher zur Erde zurückkehren kann, wobei die Kapsel abgesprengt wird und auf einer sog. ballistischen Bahnkurve weiterfliegt, bis sie wieder in die Erdatmosphäre eindringt und an einem Fallschirm landen kann, doch wurde das in den letzten mehr als vier Jahrzehnten nur erprobt und niemals im Ernstfall erlebt.

Die wesentlichste Nachricht der Havarie ist: Die Crew von „Sojus MS-10“ hat überlebt und ist in guter Verfassung, wie die Europäische Weltraumorganiasation ESA am Nachmittag mitteilte. Hague und Owtschinin seien etwa 400 Kilometer nordöstlich vom Startplatz Baikonur in der Nähe der zentralkasachischen Stadt Schesqasghan notgelandet, wie es hieß. TV-Aufnahmen zeigten die beiden wohlauf bei gesundheitlichen Messungen und dem Verzehr von Nüssen.

Start eines Sojuz MS-Raumschiffs 2018 in Baikonur, Kazakhstan. - Foto © mulderphoto under FotoliaLicence#147264419

Start eines Sojuz MS-Raumschiffs 2018 in Baikonur, Kazakhstan. – Foto © mulderphoto under FotoliaLicence#147264419

Jedoch ist dieser 11.10.2018 für die bemannte Raumfahrt ein einschneidender Tag, denn zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat Russlands bewährte Technik zur bemannten Raumfahrt katastrophal versagt. Oder anders ausgedrückt: Der Raketentyp „Sojus FG“, mit dem auch der heutige Start durchgeführt wurde, hatte bei mehr als 60 Einsätzen bisher eine Zuverlässigkeit von 100 Prozent.

Das heutige Scheitern der „Sojus MS-10“ Mission hat zudem massive Beeinträchtigungen für die Forschungsaufgaben der „Horizons“-Kampagne auf der Internationalen Raumstation zur Folge. Da bis auf weiteres – und dies kann Monate dauern – nur die Gerst-Crew an Bord ist, dürfte das Trio allein mit der Aufrechterhaltung des regulären ISS-Betriebs alle Hände voll zu tun haben. An eine Fortführung der Experimente ist kaum zu denken.

Fotomontage Hyperspective Cover +Foto von Alexander Gerst - Bildrechte Sauer, Gerst

Fotomontage „Hyperspective“-Cover + Foto von Alexander Gerst – Bildrechte: Sauer, Gerst

Eigentlich sollten Gerst und seine beiden Mitstreiter Mitte Dezember zur Erde zurückkehren – ein Termin, der nun womöglich bis zur Übergabe an eine neue Crew*  bis Anfang 2019 ausgedehnt werden muss. Jedoch lässt sich der Termin nicht beliebig verschieben, denn die an die ISS angedockten Raumkapseln haben wegen ihres Treibstoffs kein unbegrenztes „Haltbarkeitsdatum“, sollten in der Regel alle 6 Monate zur Erde zurückehren.

Zuerst darf man aber erleichtert darüber sein, dass es heute keine Todesopfer im Weltraum gab. Das twitterte auch Gerst in seiner ersten Reaktion, als er schrieb: „Bin froh, dass es unseren Freunden gut geht. Danke an >1000 Rettungskräfte! Heute hat sich wieder gezeigt, wie großartig die Sojus ist: Trotz Fehlstart wurde die Crew sicher zur Erde zurückgebracht. Raumfahrt ist hart. Aber wir müssen weitermachen, zum Wohle der Menschheit.“ Außerdem ist auf einem Gerst-Foto der Startabbruch der Sojus MS-10 zu sehen.

Foto aus der ISS vom Abbruch des Starts von Sojus MS-10 - Foto © NASA ESA Alexander Gerst

Foto aus der ISS vom Abbruch des Starts von Sojus MS-10 – Foto © NASA ESA Alexander Gerst


* = hierfür sind seit langem vorgesehen: Weltraumveteran Oleg Kononenko (= 4. Raumflug) sowie die beiden Bordingenieure und Weltraumneulinge David Saint-Jacques (Kanada) und Anne McClain (USA)

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