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„Von Beifall und Likes alleine kann man nicht leben“ – Sonntagsgedanken zum Tarifkampf im Öffentlichen Dienst

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(Rainer Sauer) – Erst zwei, drei Monate ist es her, da waren – neben anderen Bevölkerungsgruppen – auch viele Beschäftigten des öffentlichen Dienstes systemrelevant, da sie „den Laden am Laufen“ gehalten haben. Nun fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft / ver.di genau mit diesem Slogan mehr Geld für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst … und viele Menschen reagieren genervt.

Die Mitarbeiter*innen an öffentlichen Krankenhäusern wie dem Universitätsklinikum Jena (einen Branchen-Riesen, an dem stets Personalnot herrscht) und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordern 4,8 Prozent mehr Lohn für die 2,3 Millionen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in den Kommunen. Der Deutsche Beamtenbund reiht sich ein für die rund 200.000 Beamten des Bundes. Die Vertretung der Arbeitgeber lehnt dieses jedoch als „völlig überzogen“ ab und weigert sich, ihrerseits überhaupt ein Angebot vorzulegen.

Die Folge ist eine Serie von Warnstreiks in der kommenden Woche quer über ganz Deutschland verteilt. Hiervon betroffen sind neben den Krankenhäusern auch die Stadtverwaltungen, die städtischen Eigenbetriebe, der Nahverkehr (in Jena für den Dienstag angekündigt) und die Kitas. Denken wir einmal nach: Sind Warnstreiks in Kitas überhaupt nötig – dort, wo das Corona-Virus den Betrieb für Wochen oder Monate lahmgelegt hatte, was Familien an den Rand ihrer Belastbarkeit und teilweise darüber hinaus führte?

Ja, sie sind es. Denn es geht ja auch um jene Mitmenschen, die noch vor Kurzem als „Helden des Alltags“ gefeiert wurden, die beklatscht wurden, weil sie bei der Müllabfuhr und der Post, in Jobcentern und Kitas, Krankenhäusern und Seniorenheimen gesundheitliche Risiken auf sich nahmen und gleichzeitig unser Land vor Schlimmeren bewahrt haben. Damals sagten alle: Den „Helden des Allltag gehört unser Respekt“. HIer treffen endlich einmal Anspruch und Realität aufeinander – ein Dilemma.

Foto © Kzenon – AdobeStockFotoliaLicense#136239551

Gesundheitsminiter Spahn bekennt (und das ist schon Jahre her), dass im Pflegebereich Zehntausende Mitarbeiter*innen fehlen und er löst das Problem dadurch, dass er mehr Einstellungen verspricht. Passiert ist bis heute so gut wie nichts, denn neues Pflegepersonal kann man sich nicht backen. Ebenso ist zu hinterfragen, wie aufrichtig die Likes für oder die Lippenbekenntnisse über die „systemrelevanten Teile unserer Gesellschaft“ sind. Echte Anerkennung sieht anders aus. Das gilt auch für die öffentlichen Arbeitgeber.

Und doch wird es so sein, dass es Politiker geben wird, die während der bevorstehenden (verfassungsrechtlich verbrieften) Streiks im Öffentlichen Dienst mit erhobenem Finger auf die erneut verschlossenen Türen von Kitas deuten werden und sich entrüsten, anstatt sich mit mehr finanzieller Wertschätzung zu befassen. So geht das nicht! Denn es gehört zu den grundlegenden Prinzipien des Arbeitsrechts, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der einen und Arbeitgeber auf der anderen Seite in Tarifverhandlungen miteinander verhandeln und zum Schluss ein Kompromiss gefunden wird. Das wäre im vorliegenden Fall schnellstmöglich zu wünschen.

Autor: RADIO JENA Redaktion JENAhoch2

Die Rundfunkinitaitive "103komma4 FM" startete am 01.01.2000 bei Radio OKJ das lokale Hörfunkprogramm "Radio Jena". Ab 2007 erschien mit "Lichtstadt.Netz" (später "Lichtstadt.News") ein erstes Online-News-Angebot von Radio Jena, das 2014 zum Omnichannel-Media-Portal "JEZT" (heute: "JENAhoch2") ausgebaut wurde. Die gemeinsame Radio- und Online-Redaktion erarbeitet Reportagen, Analysen, Berichte und Infos. "JENAhoch2" wird ehrenamtlich betrieben, ist nicht-kommerziell und erzielt auch keinerlei Einnahmen durch die Veröffentlichung von Reklame.

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