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„Fool (If you think it’s over)“ – Chris Rea feiert heute seinen 70. Geburtstag

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Chris Rea 1980 und 2010. – Fotos: Warner Music WEA / Jazzy Blue

(Rainer Sauer) – Unter dem Titel „Blue Cafe: The Man – The Voice – The Guitar“ ging er 1997 auf Tour und gastierte dabei auch in Erfurt. Ich erinnere mich noch genau an das Konzert in der Messehalle, denn es war einer der damals seltenen Momente, in denen der Mann, der hier gemeint ist – also der Brite Chris Rea – zu Ungunsten seinen seichten Ohrwürmer wie „Josephine“, „On the Beach“, „I Can Hear Your Heartbeat“ oder „Driving Home For Christmas“ erstmals mehr seinen geliebten Bluesrock spielte.

Überhaupt ist die Karriere von Christopher Anton Rea, dem Sohn eines Italieners und einer Irin, stets von Extremen geprägt gewesen. Zu seinen kommerziell erfolgreichsten Zeiten war er am wenigsten mit seinem musikalischen Weg zufrieden. „Für das, was ich machen wollte, hatte ich bei der falschen Plattenfirma unterschrieben“, erzählte er einst einem dem britischen Musik-Magazin. Doch die brave Pop-Ballade „Fool (If You Think It’s Over)“ von 1978 war über mehr als 15 Jahre richtungsweisend für die Art von Musik, die Fans mit seinem Namen verbanden.

Dabei waren es eben nicht nur die lässig-entspanntem Poprock-Hits, die ihn ausmachten, sondern das Gesamtpaket „The Man – The Voice – The Guitar“, sprich: Der Kerl an sich, seine rauchige Stimme und die Art, wie er die Gitarre – oft eine Fender Stratocaster und als Slide-Guitar – spielte. In den 1980er und 1990er Jahren gehörte Chris Rea mit seinen Erfolgsalben „On The Beach“, „Auberge“ und „The Road To Hell“ zu den meistgespielten Künstlern im Radio und er ging jedes Jahr, oft sogar mehrmals, auf Tour. Dabei schonte er seine Gesundheit nicht und hatte daher immer wieder mit schweren körperlichen Problemen zu kämpfen, die ihn mehr als einmal fast das Leben gekostet hätten – und man darf festhalten, dass hierbei Drogen niemals eine Rolle spielten.

In den 90ern hatte er schon eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung überstanden, als Ärzte bei ihm 2001 Bauchspeicheldrüsenkrebs feststellten und ihm keine großen Überlebenschancen einräumten. Im Krankenhaus entschied er sich damals, endlich der Liebe zum Blues zu folgen, sollte er überleben. „Wenn du kurz davor bist, zu sterben, denn bewertest du neu, was dir wirklich wichtig ist“, so der am 4. März 1951 im englischen Middlesbrough geborene Musiker in einem Interview. Mehrfach wurde Rea operiert, verlor Teile seiner Bauchspeicheldrüse, des Dünndarms, der Gallenblase und der Leber sowie eine Niere.

Am Ende hatte das deutliche Spuren an ihm hinterlassen und er sagte in der BBC-Sendung „Mortimer & Whitehouse: Gone Fishing“, er habe sich davon nie komplett erholt. „Ich hab jetzt Diabetes Typ 1 und muss jeden Tag 34 Pillen schlucken“, so der zurückhaltende Brite, der zudem zwei Schlaganfälle überlebte, Nach dem ersten vor fünf Jahren konnte er zeitweise weder richtig sprechen noch Gitarre spielen, ging aber nur ein Jahr später wieder auf Tour, als wäre nichts gewesen, bevor er kurz vor dem Ende der Tournee während eines Auftritt in Oxford zusammenbrach und seit dem nicht wieder live aufgetreten ist.

Rea, der erst relativ spät, d.h. mit 18 Jahren, zum Gitarrespielen kam, konnte dem Ruhm, den seine musikalischen Erfolge mit sich brachten, eh nie viel abgewinnen – mit einer Ausnahme. Der begeisterte Auto- und Rennsportfan, der immer noch in Middlesbrough lebt, besitzt einen beachtlichen Fuhrpark inklusive verschiedener Ferrari. Sportwagen. Dies ist „La Passione“ von Chris rRea, der hierüber unter diesem Titel sogar einen ganzen Film inklusive des Soundtracks geschaffen hat. Halt findet er in seiner Familie. Mit seiner Ehefrau Joan ist er seit Teenager-Tagen zusammen und er verewigte sie im Song „Stainby Girls“. Das Paar hat zwei Töchter, Josephine und Julia, über die Rea – natürlich – seine gleichnamigen Hits geschrieben hat. Wen wundert es da, dass „The Man – The Voice – The Guitar“ sich stets einer Amerkia-Tour verweigerte, weil er nicht so lange von der Familie getrennt sein wollte.

Von seiner schweren Krebserkrankung genesen gründete er mit Jazzy Blue sein eigenes Label, auf dem er seit 2002 regelmäßig Blues-Alben veröffentlicht (für jede Produktion malt Chris Rea die Albumcover selbst), darunter das Mega-Projekt „Blue Guitars“ – eine Box mit 11 CDs und mehr als 130 neu geschriebenen Songs, die nicht nur Kritikern als den Höhepunkt seines Schaffens gilt.

Bei unserem Wiedersehen 2008 in Leipzig zur „Fabulous Hofner Blue Notes“-Tour hatte Rea weltweit bereits mehr als 30 Millionen Tonträger verkauft und spielte auf der Bühne trotzdem ausschließlich 60-Jahre Blues-Rock-Instrumentals. „In Deutschland variiert die Größe der Halle, in der du auftrittst und das Geld, das man dir bezahlt, je nach dem Liveset, also welche Lieder du spielen wirst“, berichtete er mir nach dem Konzert und fügte an: „Spielst du alle deine Hits, lassen sie dich vor großem Publikum auftreten. Wenn nicht, dann spielst du in irgendeinem Club.“ Und dann signierte er mir ein Foto, stieg ins Auto und entschwand in der Nacht.

Angesichts seiner angeschlagenen Gesundheit und der Sorge seiner Familie grenzt es wohl an ein kleines Wunder, wenn Christopher Anton Rea überhaupt jemals wieder irgendwann – ob in Deutschland oder sonstwo – auftreten würde. Andererseits ist er ein wahrer Überlebenskünstler, der schon mehrfach bewiesen hat, dass er wieder aufstehen kann und will. Und Bluesmusiker sterben in der Regel alt.

In zehn Jahren wird Chris Rea 80!

Autor: RADIO JENA Redaktion JENAhoch2

Die Rundfunkinitaitive "103komma4 FM" startete am 01.01.2000 bei Radio OKJ das lokale Hörfunkprogramm "Radio Jena". Ab 2007 erschien mit "Lichtstadt.Netz" (später "Lichtstadt.News") ein erstes Online-News-Angebot von Radio Jena, das 2014 zum Omnichannel-Media-Portal "JEZT" (heute: "JENAhoch2") ausgebaut wurde. Die gemeinsame Radio- und Online-Redaktion erarbeitet Reportagen, Analysen, Berichte und Infos. "JENAhoch2" wird ehrenamtlich betrieben, ist nicht-kommerziell und erzielt auch keinerlei Einnahmen durch die Veröffentlichung von Reklame.

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